ENERGIEVERSORGUNG NEU DENKEN



Mitte September 2022 hatte der Bund mitgeteilt, Deutschlands wichtigsten Gasimporteur Uniper fast vollständig übernehmen zu wollen. Hintergrund ist die komplette Einstellung der vertraglich vereinbarten Gaslieferungen aus Russland.


In einem ersten Schritt einer staatlichen Energieversorgung kommt die Wasserkraft in Frage. "Aktuell bietet die Übernahme von Uniper SE durch den Bund die Möglichkeit, Wasserkraftwerke der Uniper Kraftwerks GmbH zu übernehmen. Insgesamt geht es dabei um 97 Wasserkraftanlagen mit zusammen rund 970 Megawatt Leistung und rund 4800 Gigawattstunden Stromertrag pro Jahr in den Kraftwerksgruppen Donau, Isar, Lech und Main", sagte Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber. Die Wasserkraftanlagen würden rund ein Drittel der bayerischen Stromproduktion aus Wasserkraft erzeugen.


Mit seiner Forderung ist Glauber nicht alleine: Die Grünen im bayerischen Landtag setzen sich seit Jahren für die Rückführung der Wasserkraft in die öffentliche Hand ein. "Das ist eine historische Chance. Auch die Anrainerkommunen sollen davon profitieren - ob durch eine kommunale Beteiligung oder Umweltgelder wie in Südtirol. Wir wollen die Bayerische Wasserkraft als Grundstock für eine Bayerische Energiegenossenschaft", sagte Fraktionschef Ludwig Hartmann.


Konkret würde dies bedeuten, dass Bayern dem Bund die besagten Wasserkraftwerke abkaufen müsste. Der Staat müsse in Zukunft aber auch über die Wasserkraft hinaus ein eigenständiger Energieproduzent werden, sagte Glauber weiter. Auf diese Weise könnten erneuerbare Energien ausgebaut werden, ohne dass dafür Investoren erforderlich seien. So könnten etwa Windräder auf staatlichen Flächen oder Photovoltaik-Anlagen durch den Freistaat selbst errichtet werden. Finanzielle Mittel dafür könnten über eine von Bayern bereits mehrfach geforderte Beteiligung der Länder an den Einnahmen des Bundes aus der CO2-Bepreisung gewonnen werden.


"Umso mehr die Energieversorgung in staatlicher Hand liegt, desto mehr Kontrolle hat Bayern über diese kritische Infrastruktur. Klar muss aber sein: Die neuen Strukturen müssen als Chance genutzt werden, Wasserkraft naturverträglicher als bisher zu betreiben", sagte Christine Margraf vom Bund Naturschutz Bayern. Weitere Wasserkraftanlagen zu erschließen, wie es derzeit etwa an der Salzach geplant werde, lehne der Verband ab. "Dies ist auch für die Energiewende nicht nötig, da die Wasserkraft nur einen sehr kleinen Anteil an unserer Stromversorgung hat."



 

Die Bayerische Strategie zur Wasserkraft als PDF finden Sie hier.

 

Text: www.sueddeutsche.de, Bearbeitung: Marc Heinz

Foto: Kraftwerk Erlabrunn, uniper.energy


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