440/1 FISCHSTERBEN AUCH AM MAIN DENKBAR



Mit großer Sorge blicken wir derzeit auf die Ereignisse in und an der Oder. Das massenhafte Fischsterben betrifft einen 500 Kilometer langen Flussabschnitt im Bereich von Polen und Deutschland. Tonnenweise mussten Kadaver beseitigt werden und das Herz blutet allen Beteiligten sowie Außenstehenden bei diesem traurigen Anblick. Die Ursache soll laut Experten eine giftige Algenart sein, die sich vor allem in salzhaltigem Wasser rasant ausbreiten kann. Die Einleitung salzhaltiger Industrie-Abwässer auf polnischer Seite und die aufgrund des historisch niedrigen Pegelstands nicht angepassten, erlaubten Mengen sollen dafür verantwortlich sein. Durch den Verzehr vergifteter Fische sind auch die Bestände von ufernah lebenden Tieren bedroht.


Wäre ein massenhaftes Fischsterben auch am Main denkbar? Erst Ende September 2021 hatte es einen Schadstoffunfall an einem Sägewerk im Bereich Erlabrück im Landkreis Kronach gegeben, mit erheblichen Folgen für die Umwelt an Rodach und Obermain. Aufgrund der Rückstände auf der Gewässersohle konnte das Wasserwirtschaftsamt Kronach damals nicht ausschließen, dass es sich auch für den Menschen um einen gesundheitsgefährdenden oder krebserregenden Stoff handelt. Über die bekannten Warn-Apps wurden vor Ort in Lichtenfels und Umgebung sogleich Warnhinweise verbreitet und die Polizei fuhr Streife an den betroffenen Uferabschnitten. Außerdem gab das WWA für den gesamten Bereich der Rodach von Erlabrück bis zur Mainmündung sowie für den Main im Landkreis Lichtenfels inklusive angeschlossener Seen, Fischteiche und dergleichen folgende Anweisungen heraus:

• Verzehrverbot für Fische

• Kontakt zum Gewässer meiden (Menschen und Tiere)

• Keine Nutzung von Gartenbrunnen in der Nähe der betroffenen Gewässer.


Es muss nicht zwingend ein Chemieunfall sein, der ein massenhaftes Fischsterben verursacht. Auch der Klimawandel kann dafür verantwortlich sein, denn die extrem hohen Temperaturen der vergangenen Wochen sorgten für stark sinkende Pegelstände, Sauerstoffarmut im Wasser und für die Ausbreitung giftiger Algen. Infolgedessen kam es zu erhöhtem Salzgehalt und Schadstoffkonzentrationen. Im aktuellen Fall an der Oder könnten auch große Mengen chlorhaltigen Brauchwassers, das möglicherweise eine Verschmutzung der Bodensedimente ausgelöst hat, die Ursache für die Naturkatastrophe sein. An dieser sehr bedenklichen Entwicklung sehen wir deutlich, dass menschliches Fehlverhalten konkrete Auswirkungen auf die Umwelt und somit auf unser zukünftiges Leben hat. Wir müssen umdenken und jetzt handeln, um schlimmere Folgen speziell in der Mainregion zu verhindern.

 

Artikel: Wasser in Main und Rodach kontaminiert (Markus Drossel, Obermain-Tagblatt, 30. September 2021)

 

Quelle: www.obermain.de

Text: Markus Drossel, aktualisiert von Marc Heinz


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