361/1 – ENTDECKUNGSTOUR IN DER MAINAUE

Dipl.-Biologe Dietmar Will mit Schulklasse auf dem LIFE-Erlebnispfad bei Augsfeld, Knetzgau und Sand


Der Blick vom Beobachtungshügel auf den Hochreinsee ist nicht mehr so frei wie im Jahr 2003, als das LIFE-Natur-Projekt Mainaue gestartet wurde und genau das war auch die Absicht der Initiatoren. Es gab zunächst eine vergleichsweise geringe Artenvielfalt in dem ehemaligen Baggersee. Seit Flachwasserzonen angelegt und natürliche Biotope geschaffen wurden, haben sich weit über 200 verschiedene Vogelarten blicken lassen. „Die Natur baut sich nach und nach von selbst auf und durchläuft unterschiedliche Stadien“, erklärt Ornithologe und Diplom-Biologe Dietmar Will, der in der Bau- und Umweltverwaltung der Stadt Haßfurt tätig ist. An diesem Tag führt er eine Förderschulklasse auf dem Erlebnispfad durch die Mainaue.


Gleich zu Beginn der Umgestaltung waren bereits viele neue Vogelarten zum Brüten und Rasten an den Hochreinsee gekommen. Watvögel wie Grünschenkel, Rotschenkel oder Flussuferläufer machten hier halt. Diese Arten ziehen sich durch die Veränderung der Vegetation – also die Zusammensetzung der Pflanzengesellschaft – und je nach Wasserstand und Jahreszeit regelmäßig wieder zurück. Auf alle Fälle machten sich Tiere breit, die sich im hohen Schilf wohlfühlen.


Die Kinder sind mit Ferngläsern und allerlei Utensilien zur Tier- und Pflanzenbestimmung ausgestattet. Doch sie können in der Mainaue nicht nur Tiere beobachten. Der Rundweg ist mit zahlreichen Stationen gespickt, an denen die jungen Naturforscher verschiedene Dinge anfassen und selbst ausprobieren können. Sie kriechen durch einen nachempfundenen Biberbau, finden einen echten Biberschädel, erzeugen Froschlaute, setzen mit Schiebern Wasser in Bewegung oder testen mit Hammerschlägen den unterschiedlichen Klang von Hart- bzw. Weichholz.


Das Life-Natur-Projekt Mainaue

Die Mainaue gehört zu den Schutzgebieten, die von der EU ausgewählt und unterstützt wurden, weil sich hier viele verschiedene Vogelarten zum Brüten und zur Rast niederlassen.

Das Maintal zwischen Haßfurt und Eltmann wurde früher als Grünland genutzt. Es gab in den Mainwiesen etwa um 1845 keinen Mangel an Lebensräumen für zahlreiche Vogelarten. Von 1960 bis heute intensivierte sich die Nutzung: Der Main wurde durch den Bau der Schleuse Knetzgau Anfang der 60er Jahre zur modernen Schifffahrtsstraße. Die Nachfrage nach Sand und Kies ließ Baggerseen entstehen, und so stieg die Gewässerfläche an. Über ein Drittel der Flächen im Maintal wurde Ackerland. Straßen und Siedlungsflächen wuchsen. Heute nimmt das Grünland im Maintal nur noch ein Viertel der Fläche ein – einer der Gründe, dass in den späten 60er Jahren der Weißstorch aus dem Maintal verschwand.



Das Life-Natur-Projekt hat die vorhandenen Vogel-Lebensräume durch den Kauf von 68,3 Hektar Land vergrößert. Die Schutzfläche erstreckt sich inzwischen von Haßfurt über Zeil bis hin nach Eltmann/Dippach. Auf etwa 1200 Hektar sind in den sechs Teilgebieten Altach bei Wonfurt, Mainaue bei Augsfeld, Mainaue um den Hochreinsee, Niedermoor bei Augsfeld und Zeil, Altmain und Sandmagerrasen bei Limbach sowie in der Mainaue in Dippach Lebensräume für Tier- und Pflanzenarten geschaffen worden.


 

Weiterführende Informationen unter www.mainaue.de


 

Bildquelle: Marc Heinz

Verfasser: Sebastian Martin, Marc Heinz, Dietmar Will

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